/ Des Pudels Kern oder: die Sache mit den “ties”
25. März 2015

Kennen Sie den Begriff “ties”? Oder sogar den Unterschied zwischen “weak ties” und “strong ties”? Haben Sie die Studie von Mark Granovetter gelesen? Oder schon mal von Stan Milgrams Experiment “six degrees of separation” gehört?
Klingt kompliziert, finden Sie. Ist es auch!

Deshalb lassen Sie uns das kurz aufklären und erläutern, warum wir davon überzeugt sind, dass Social Networks bald überholt sein werden. Und warum wir daran glauben, dass sich Nutzer lieber in kontextuellen Netzwerken bewegen.

Was das mit miitya zu tun hat, fragen Sie sich? Auch das wollen wir gleich auflösen:

Der amerikanische Soziologe Granovetter wurde durch seine Studien zu weak ties bzw. strong ties in sozialen Netzwerken bekannt. Weak ties sind die losen Verbindungen. Strong ties hingegen die unmittelbaren Kontakte. Wenn Sie zwei Freunde haben, die einander nicht kennen, sind Sie der Klebstoff zwischen den beiden. Und Granovetter – wie im Übrigen auch wir – geht davon aus, dass auch die beiden Freunde mit großer Wahrscheinlichkeit  in Verbindung zueinander stehen. Ihre Person steht hier in unserem Beispiel für das Gemeinsame, das Verbindende.

Weak ties sind die losen Verbindungen, die potenzielle Reichweite, die Sie in sozialen Netzen haben oder zu haben glauben. Das, was das small-world-phenomen ausmacht. Jeder kennt jeden um sechs Ecken. Glauben Sie daran? Unser jo wurde annodazumal von Kardinal Ratzinger gefirmt. Der wurde Papst. Jeder kennt den Papst. Die Annahme, jeder müsse deshalb auch zwingend unseren jo kennen, ist eine Tautologie, ein klassischer Fehlschluss, schlichtweg ein Irrtum.

Schlimmer noch: Alle sozialen Netzwerke, die ursprünglich darauf aufbauten, dass Sie mit Ihren persönlichen Kontakten interagieren, neue Kontakte schließen, haben an die Stelle der Interaktion die Jagd nach Reichweite gestellt. Reichweite lässt sich vermarkten. Reichweite hat Strahlkraft. Reichweite zahlt auf Aktienkurse ein. Reichweite verpufft.

Lassen Sie uns hier einen Vergleich aus der Medienlandschaft bedienen: Eine Anzeige könnte von vielen gesehen werden. Das persönliche Gespräch mit dem Redakteur hat jedoch eine ganz andere Qualität. Heute kann jeder Seitenbetreiber potenzielle Empfänger einkaufen und verwechselt das mit Reichweite. Da werden Page Impressions vermarktet und nicht Leads oder Conversions generiert. Da werden Posts geteilt und keine Gespräche geführt. Der Wert eines Nutzers zahlt auf Marktkapitalisierungen ein. Dabei verdreifacht sich der individuelle Nutzerwert nicht, nur weil ein Nutzer auf drei Plattformen angemeldet ist und seine Daten hinterließ. Im Gegenteil.

Es sind vier Komponenten, die nach Granovetter auf die Stärke einer Beziehung einzahlen:

  • die Menge an Zeit, die zwei Personen miteinander verbringen,
  • der Grad der emotionalen Intensität der Beziehung,
  • Intimität (gegenseitiges Vertrauen) und die
  • Art der reziproken Hilfeleistungen, die die Beziehung charakterisieren

Wenn Sie sich nun fragen, mit welchen Menschen Sie Zeit verbringen, in einer persönlichen Beziehung stehen, wem Sie vertrauen oder wem Sie gerne helfen oder wer Ihnen bei Bedarf helfen würde, dann stellen Sie fest, dass das nicht der Papst (als unser Synonym für eine weak tie) ist, sondern das ist Ihr persönlichstes Netzwerk: Freunde, Kollegen, Familie, Mitglieder Ihres (Sport)vereins, Nachbarn, (ehemalige) Mitschüler, Kommilitonen. Menschen, die Sie begleiten oder begleiteten. Ihr Umfeld, Ihr Kontext, Ihre ganz persönlichen Kreise.  Nicht die Follower, Friends oder Kontakte. Freilich, in Social Networks mögen die auch versammelt sein. Aber nicht exklusiv. Nicht aktiv. Und vor allem nicht dann, wenn Sie sie treffen oder sprechen wollen.

Und genau hier setzen wir mit miitya an.

5 thoughts on “Des Pudels Kern oder: die Sache mit den “ties”

  1. Hallo Jo,

    nun ist ja jeder selber seines miitya-Netzwerks Schmied. Und ich könnte mir vorstellen, dass verschiedene Nutzer das miitya-Konzept zumindest anfangs missverstehen. Habt Ihr da technische Hilfestellung vorgesehen?
    Sicher gibt es auch von Seiten der Nutzer verschiedene Beweggründe miitya zu nutzen. Wie stellt Ihr sicher, dass Absender und Empfänger einer Kontaktanfrage die selben Erwartungen an die Verbindung hat? Das birgt doch Konfliktpotential für Absender und Empfänger & dann auch für Euch als Host!?

    LG
    Norbert

    1. Lieber Norbert,
      danke für die Anregung. Zunächst sind die Nutzer, mit denen Du interagierst, ja Deine Kontakte. Das macht es einfach. Die App visualisiert aber auch andere Nutzer. Und jeder Nutzer kann sich selber (und auch anderen Kontakten) Tags zuordnen. So hast Du die Möglichkeit, andere Nutzer, die nicht Deine Kontakte sind zu filtern. Oder innerhalb der Nutzer zu suchen.
      Wenn die Erwratungshaltung komplett auseinandergeht (Nutzer A möchte ein privates Date machen, Nutzer B einen geschäftlichen Kontakt), kannst Du Kontaktanfragen oder einzelne Nutzer blockieren, Kontakte auf White- oder Blacklist schieben, Deine Sichtbarkeit auf spezielle Kreise (und auch zeitlich) limitieren. Den Rest werden die Beta und die Nutzer weisen. Unser Versprechen lautet: trefft Euch effizient. Nicht etwa: Habt Euch lieb 😉 Wir erhoffen uns aber von der konsequenten Fokussierung auf Business Professionals und dem Umstand, dass Fake-Profile nicht funktionieren (dahinter steckt immer ein Smartphone und eine Nummer), dass auch ein angemessener bis gehobener Umgang miteinander gepflegt wird.
      LG jo

      1. Hallo lieber Jo,

        inzwischen habe ich auch Euer aktuelles Wireframe http://bit.ly/1OyVPEG angeschaut – und da wird ja einigen klarer. Black- & Whitelist werden ja auch sehr helfen.
        Das sieht wirklich sehr gut aus!! Respekt!

        LG
        Norbert

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